In der DDR gab es viele politische Häftlinge. Ihre genaue Zahl ist aber unbekannt. Die meisten Schätzungen belaufen sich auf rund 200 000 Personen.
Offiziell existierte für die SED allerdings gar kein politischer Häftling im Land. Wer gegen die sozialistische Ordnung verstieß und als „Staatsfeind“ dingfest gemacht werden konnte, war in der Perspektive der Staatspartei ein krimineller Straftäter. Daher wurden im Strafvollzug politische Häftlinge in der Regel mit Kriminellen zusammengelegt. Die Kategorie „politischer Häftling“ spielte jedoch inoffiziell stets eine Rolle, vor allem dann, wenn es um den Freikauf in die Bundesrepublik ging, deren Regierung nur für die Entlassung politischer Gefangener zahlte.
Die Haftbedingungen waren meist hart. Für kleinstes Aufbegehren drohten drakonische Strafen. Wie alle Gefangenen waren auch die politischen Häftlinge zur Arbeit verpflichtet. Diese Haftzwangsarbeit bedeutete oft nicht nur die Zuteilung körperlich besonders schwerer oder stupider Tätigkeiten, sondern sie war häufig auch gefährlich und gesundheitsschädlich, da Arbeitsschutzregeln missachtet wurden. Darüber hinaus hatten zum Leidwesen vieler politischer Gefangener meist oft die kriminellen Häftlinge in den Arbeitskommandos das Sagen.
Trotz aller Schikanen blieben etliche politische Häftlinge in der DDR. Viele von ihnen wollten vor einer Auseinandersetzung mit dem Regime nicht weglaufen, auch wenn ihnen dadurch möglicherweise eine erneute Inhaftierung drohte.