Über Kinder und Kindheit in den sowjetischen Speziallagern in Deutschland ist bislang wenig bekannt. Was die Erforschung enorm erschwert, ist der Umstand, dass über die Lagerexistenz dieser Kinder so gut wie keine Dokumente vorhanden sind. Daher lässt sich nicht einmal ihre genaue Anzahl beziffern.
Zu unterscheiden sind zwei Gruppen von Minderjährigen: Erstens diejenigen Kinder, die in diesen Lagern geboren wurden. Ihre Mütter waren entweder schon schwanger, als sie verhaftet und eingesperrt wurden, oder der Kindesvater war ein sowjetischer Wachsoldat. Sie verbrachten ihre ersten Lebensjahre in einer Lagerbaracke. Mit der Auflösung der Speziallager 1950 wurden die einen zusammen mit ihren Müttern entlassen. Die anderen, deren Mütter danach in Haftanstalten der DDR überstellt wurden, kamen in ein Kinderheim.
Die zweite große Gruppe bestand aus Minderjährigen, die als Häftlinge ins Lager gekommen waren. In der Sowjetunion begann die Strafmündigkeit bereits im Alter von zwölf Jahren. Das hatte zur Folge, dass auch Halbwüchsige Teil der leidenden Häftlingsgesellschaft waren, und zwar sowohl in Lagern der Sowjetunion als auch in Speziallagern in Deutschland.
Die Traumata und psychischen Langzeitfolgen, die diese Erfahrungen bei den Betroffenen hinterließen, wurden weder nach den Lagerauflösungen noch nach dem Ende der DDR besonders thematisiert.
Zeitzeugen und Zeuginnen zu diesem Thema

Entlassungsbescheinigung für das im Speziallager geborene Kind Bärbel Krista und deren Mutter
Quelle: Alexander Latotzky: Kindheit hinter Stacheldraht

Artikel in der Nationalzeitung vom 30.07.1948 zur Auflösung des Speziallagers Mühlberg
Quelle: Lebenszeugnisse – Leidenswege KASSIBER AUS BAUTZEN. Heimliche Briefe von Gefangenen aus dem sowjetischen Speziallager 1945 – 1950, Bearbeitet von Cornelia Liebold, Jörg Morré und Gerhard Sälter, Heft 16, Dresden 2004, S. 103